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Berichte
Vorsitzende des Verbandes der Kath. Religionslehrerinnen und –lehrer an Gymnasien im Bistum Münster Irmgard Alkemeier Ernst-Tertilt-Str. 21 48351 Everswinkel Uns verbindet mehr als uns trenntÖkumene-Tagung zu Allerheiligen Cloppenburg/Stapelfeld. „1 :0 für Gott!“ hieß es in einer Berliner Zeitung zum Ende des Ökumenischen Kirchentages 2003. Was ist geblieben von der Begeisterung der Teilnehmer? Welche Impulse hat der Ökumenische Kirchentag gegeben, die in Schule und Gemeinde weiter wirken? Wie lässt sich der Gedanke der Ökumene weiter vertiefen und voran treiben? Die Heimvolkshochschule Cloppenburg hatte gemeinsam mit dem Münsteraner und Osnabrücker Verband für Religionslehrerinnen und –lehrer an Gymnasien und dem Generalvikariat Münster zu einer Fortbildungsveranstaltung eingeladen, bei der diese Fragen reflektiert und diskutiert wurden. Beeindruckt waren die Teilnehmer von den Ausführungen der beiden Referenten. Dr. Elisabeth Raiser, die Präsidentin des Ökumenischen Kirchentages, nahm eine Standortbestimmung vor und zeigte weitere Perspektiven der ökumenischen Arbeit auf. Dr. Michael Kappes, Beauftragter der Fachstelle Ökumene im Bistum Münster, beleuchtete die Fragen aus katholischer Sicht und stellte den Teilnehmern den ‚Grundkurs Ökumene’ vor, der Anregungen und Impulse für die ökumenische Arbeit in Schule und Gemeinde gibt. Die Teilnehmer waren sich einig, dass der Ökumenische Kirchentag ein großer Erfolg war und wichtige neue Kontakte zwischen Christen unterschiedlicher Konfessionen und Religionen wachsen ließ. Er war ein einer immer säkularer werdenden Gesellschaft ein Symbol für die der Integrationskraft des christlichen Glaubens. „Christen haben auch erfahren, dass sie noch viel voneinander lernen können und möchten. Der geistliche Gewinn des Ökumenischen Kirchentages ist die Unumkehrbarkeit des Erlebens, und die Erfahrung, dass Christen nicht voneinander lassen wollen. Bei allen Diskussionen um die Ökumene und vor allem um das gemeinsame Abendmahl sollte uns immer bewusst sein, dass uns viel mehr verbindet als uns trennt,“ betonte Dr. Kappes. Dr. Raiser unterstrich in diesem Zusammenhang die
Symbolkraft einer ökumenischen Taufgedächtnisfeier. „Die Taufe ist das
Sakrament der Einheit, sie verbindet uns Christen über alle Konfessionsgrenzen
hinweg, das sollte deutlicher in unser Bewusstsein treten.“ Die Referentin
forderte eine Ökumene der Solidarität, die im gemeinsamen Engagement für
Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung verbindet. Immer wieder
neu zu betonen sei die jetzt schon vorhandene die ‚Ökumene des Zeugnisses’
über das, was Christen gemeinsam im Glauben trägt und zu engagiertem Handeln
motiviert. „Arbeiten
Sie vor Ort in ökumenischen Projekten miteinander,“ ermutigte Dr. Raiser die
Fortbildungsteilnehmer zu einer von Hoffnung getragenen Perspektive für den
weiteren ökumenischen Weg. --------------------------------------------------------------------- Elisabeth Raiser Ökumene wohin? Standortbestimmung
und Perspektiven nach dem Ökumenischen Kirchentag. Studientag für Religionslehrerinnen und –lehrer an Gymnasien Stapelfeld, 1.11.2003 Ökumene wohin? Der Titel zeigt eine Bewegung an. Und damit möchte ich eigentlich beginnen: der Ökumenische Kirchentag war und ist Teil einer Bewegung, nicht so sehr Teil offizieller ökumenischer Gespräche. Wir haben im Vorfeld von Berlin oft von einem Weg gesprochen – ich selber habe diesen Prozess einen hellen Weg genannt, weil er uns einfach sehr viel Spaß gemacht und viele Hoffnungen weckte, die wir in allen Kirchen seit langem spüren. Die Bundespost hat eine Sonderbriefmarke zum ÖKT herausgegeben mit dem Regenbogenzeichen, und vielleicht erlauben Sie mir, dass ich entlang dem Regenbogen und dem Wegsymbol ein wenig meditativ in die heutige Thematik einsteige. Diese Symbolik ist mir umso wichtiger als wir in einer Zeit leben, in der die überkommenen Werte unserer westeuropäischen Gesellschaften in Frage gestellt werden, in dem das Christentum nicht mehr in hohem Ansehen steht, der Papst sogar sagen kann, dass es heute gesellschaftlich leichter ist, sich als Agnostiker denn als Gläubiger zu bezeichnen und dass sich Nichtglauben heute wie von selbst versteht, wogegen Glauben einer gesellschaftlichen Legitimation bedarf, die weder selbstverständlich ist, noch vorausgesetzt wird. (Päpstliches Schreiben ‚Eccelsia in Europa’). Das Symbol des Weges ist das uralte Symbol des Volkes Israel, und dann auch des christlichen Gottesvolkes. Das wandernde Gottesvolk! Die Evangelien erzählen von einem wandernden, nicht sesshaften Jesus, der eine Schar von Jüngern und Jüngerinnen um sich sammelte, die ebenfalls ihre Häuser und Dörfer verließen, um mit ihm zu ziehen und das Kommen des Gottesreiches zu verkünden. Von fest gefügten Strukturen und sicheren Orten ist in den Evangelien kaum die Rede. Eine der schönsten Geschichten des neuen Testaments ist die Erzählung von den beiden Jüngern – oder war eine vielleicht eine Frau? – die nach Emmaus zogen, denen Jesus auf dem Weg begegnete, den sie aber nicht erkannten. Als ihnen beim Brotbrechen schließlich die Augen aufgingen und er sie verlassen hatte, sagten sie erstaunt zueinander: brannte uns nicht das Herz, als er zu uns sprach? Das Herz brannte ihnen unterwegs – nicht in einer Synagoge, nicht in einem geschützten Raum. Hier erscheint uns der Weg ein Symbol für den Glauben, für die plötzliche, unerwartete Begegnung mit Christus. Nicht umsonst waren die beiden Jünger zu zweit: sie sprachen über ihre Enttäuschungen, genau wie wir heute oft über unsere Enttäuschungen als Kirchen sprechen. Die Sehnsucht der Jünger nach ihrem Herrn und Freund war groß, aber sie glaubten kaum, ihm je wieder zu begegnen. Gerade in dieser depressiven Stimmung erschien ihnen Jesus und gab ihnen sehr behutsam den Glauben zurück. Wer weiß, wann er uns begegnet. Die allgemeine Depressivität in den Kirchen könnte ihn ja einladen! Was jedenfalls im buchstäblichen Sinn in Gang gekommen ist, seit die Kirchen nicht mehr in unhinterfragtem Wohlstand und Ansehen sind, ist das Aufeinander Zugehen, bzw. der Beginn einer gemeinsamen Wegstrecke, die den andern wahrnimmt und nicht bekämpft, die im andern einen Weggenossen sieht, mit dem man Sorgen und Freuden teilen kann und mit dem zusammen man sich des Glaubens vergewissert. Der Weg als Symbol der Ökumene hat etwas Herausforderndes: Er bedeutet nämlich, dass wir das Ziel nicht eindeutig bestimmen können: denn sonst würden wir uns mit Siebenmeilenstiefeln dorthin bewegen und könnten viele Hürden überspringen, um dies Ziel zu erreichen. Die Erfahrung der Ökumene ist jedoch, dass der Weg bereits ein Teil des Ziels ist. Die gemeinsame Wegstrecke trägt in sich schon einen Sinn. Wir sind vielleicht immer wie die beiden Jünger auf der Suche, wir sehnen uns nach Gottes Nähe, nach Einheit, nach Klarheit, und indem wir uns gemeinsam danach ausstrecken, kann uns unverhofft Jesus begegnen – oder kann der heilige Geist beginnen zu wehen. Er tut’s ja bekanntlich wo er will, und mich beschäftigt es immer wieder von neuem, dass Jesus seinen Jüngern den Tröster, den heiligen Geist in Joh. 16 als einen Begleiter auf dem Weg zur Wahrheit verspricht, jedoch nicht, dass sie die Wahrheit mit seiner Hilfe ein für allemal werden erfassen können. Wir sind Suchende, und wir können gemeinsam suchen. Das ist die große Verheißung der Ökumene für uns. Wir können sicher sein, dass wir uns dabei gegenseitig bereichern. Ökumene wohin? Meine erste Antwort ist: schon der Weg ist eine Zielbestimmung, und der ÖKT war dabei eine wichtige und ermutigende Etappe. Meine zweite Antwort ist: es gibt Grundlagen unseres Glaubens, auf die wir unter keinen Umständen verzichten wollen. Und hier ist der Regenbogen als Symbol von Bedeutsamkeit. Gott hat nach der Sintflut einen ewigen Bund mit den Menschen geschlossen, und zum Zeichen seiner Treue den Regenbogen an den Himmel gesetzt. Ein wunderbares Symbol für die Vielfalt, für die Verbindung zwischen Himmel und Erde, für die Schöpfung und ihre Erhaltung. Dieser erste Bund wurde mit dem Volk Israel später erneuert, im Sinaibund kamen die Weisungen oder Gebote für das gerechte und gute Zusammenleben der Menschen dazu. Jesus hat, wie er immer wieder sagt, dieses Gesetz nicht aufgehoben, sondern erfüllt, und sein Volk, die Kirche, lebt von der Verheißung seines neuen Bundes. Diese Kirche ist der „Ort der alten Visionen, an denen wir festhalten wollen: Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Gnade, Vergebung, Versöhnung und Trost; Zorn über Unrecht, Wahrnehmung der Welt aus der Perspektive der Armen und der Opfer.“ Die Seligpreisungen sind der vielleicht dichteste Ausdruck für diese Visionen. In der Taufe werden wir alle Glieder dieser einen Kirche. Die Taufe ist also eines der wirksamsten und überzeugendsten Symbole der Einheit der Kirche – ich denke, wir sollten sie als solches wieder entdecken und entfalten. Ich komme gleich darauf zurück. II. Ich komme nun in meinem eigentlichen Referat
zum Ökumenischen Kirchentag und seiner Bedeutung. Welche
Standortbestimmung auf dem gemeinsamen Weg können wir nach diesem Ereignis
vornehmen, welche Perspektiven hat er für die zukünftige ökumenische Arbeit
eröffnet? Lassen Sie mich in neun Punkten dazu Stellung nehmen:
Dem gegenüber ist das ökumenische Leitbild auf Seiten der katholischen Kirche, aber auch der orthodoxen Kirchen eher die Einheit der Kirche. Die Römisch Katholische Kirche ist selbst Weltkirche und kann das weltweite soziale und Friedensengagement in den eigenen Reihen verwirklichen. Sie braucht dafür die andern Kirchen nicht unbedingt. Ich sage das vielleicht etwas zu vereinfachend, denn ich weiß natürlich, dass die Vertreter der RKK immer wieder betonen, dass sie leiden unter dem Schmerz der Trennung, und wir anerkennen alle, dass der Papst mit seiner schon 1986 ergangenen Einladung an alle Kirchen und Religionen zum Friedensgebet in Assisi das gemeinsame Zeugnis zum Frieden sichtbar machen wollte. Aber dabei bleibt die RKK die Einladende und bestimmt sozusagen die Agenda. Alle anderen sind Gäste im katholischen Haus und nicht wirklich gleichberechtigte Partner. Es geht der RKK bei ihren ökumenischen Bemühungen insgesamt eher um eine Annäherung der Kirchen in Glaubens- und Traditionsfragen und weniger um die gemeinsame weltweite Solidarität. Ein zentraler biblischer Texte ist in diesem Ökumene Verständnis Johannes 17: dass sie alle eins seien, damit die Welt glaube. Der Vortrag von Kardinal Kasper entfaltete sehr überzeugend diese Vision. So kann ich als Vertreterin des evangelischen Kirchentages sagen, dass die Zusammenarbeit mit dem ZdK, aber auch mit den Kirchen der ACK uns im evangelischen Kirchentag einen neuen Blick und ein wacheres Verständnis für diesen ökumenischen Ansatz gebracht hat: ich empfinde es als eine Erweiterung des Horizonts und eine Vertiefung der ökumenischen Kultur. Hier ist also eine weitere Zusammenarbeit sicherlich sinnvoll und notwendig, wollen wir ökumenisch weiterkommen. Dennoch möchte ich die Gefahr wenigstens benennen, dass wir angesichts dieser Bereicherung das Eigene des evangelischen Kirchentages, das heißt die weltweite solidarische Ökumene beginnen zu vernachlässigen und den klassischen Themen des konziliaren Prozesses Gerechtigkeit, Frieden, Nachhaltigkeit nicht mehr die gleiche Aufmerksamkeit widmen wie bisher. Die Einheitsökumene hat eine gewisse Verführungskraft, gerade weil sie so viel Medienwirksamkeit zeigt, wenn sie richtig inszeniert wird. Der ÖKT war auch dafür ein Beispiel. Dagegen haben die Nord-Südthemen keine rechte Presse. Was hier in Zusammenarbeit der Kirchen geschieht, sowohl hier in Deutschland wie im Rahmen des Ökumenischen Rates der Kirchen wird oft kaum wahrgenommen, sondern überlagert von den Erfolgen oder dem Scheitern in den Fragen der Einheit. Dabei gäbe es gerade in diesen Fragen viele Möglichkeiten, die ökumenische Zusammenarbeit auch hier in Deutschland noch weiter zu stärken, was auf partnerschaftlicher, gleichberechtigter Basis geschehen sollte und wohl auch mehr und mehr geschieht. Der Ökumenische Kirchentag, der jedenfalls zwischen dem ZdK und dem evangelischen Kirchentag partnerschaftlich und auf gleicher Augenhöhe geplant und durchgeführt wurde, hat in dieser Art der Kooperation einen öffentlich auch wahrgenommenen Meilenstein gesetzt. Er hat damit angeknüpft an die Tradition der ökumenischen Versammlungen der 80er Jahre, die ich für unsere weitere Zusammenarbeit für unerlässlich halte. Vielleicht hat er dazu beigetragen, einen neuen Begriff der Ökumene zu entdecken: die Ökumene des Zeugnisses, an dem alle, Bischöfe und Laien beteiligt sind. Auch dafür war der Segensritus ein wichtiges Symbol – und ich bin sicher, niemand wird so schnell vergessen, wie sich unsere beiden Oberhäupter der großen Kirchen, Präses Kock und Kardinal Lehmann gegenseitig das Segenskreuz auf die Stirne gaben. Und ich persönlich werde nie vergessen, wie ich es dann vom Kardinal erhielt und ihn segnete. Immerhin: eine protestantische Laienfrau segnet einen römisch katholischen Kardinal. Die Hierarchie war für dies eine Mal durchbrochen!
- Wir sollten darüber nachdenken, wie wir unsere Gemeinschaft im Sinn einer Ökumene des Lebens authentisch weiter entwickeln können. Dazu sind die Kirchenleitungen ebenso sehr gefordert wie die Laien. Die Tauferinnerung könnte ein spiritueller Weg sein, der schon heute im Einverständnis mit den kirchlichen Autoritäten gangbar ist. Könnte die gegenseitige Segnung mit Wasser nicht zu einem Symbol der Gemeinschaft in all unseren gemeinsamen Gottesdiensten werden? - Wir sollten für ein gemeinsames Abendmahl werben, wo immer das möglich ist. Die theologischen Argumente dafür sollten wir vertiefen und ebenso bekannt machen wie die Gründe der noch bestehenden Trennung. - Wir können an zahlreichen Stellen ein gemeinsames Engagement aller Christen für Fragen der Gerechtigkeit, des Friedens und der Nachhaltigkeit unterstützen und anregen. Der ÖKT hat gezeigt, dass die Menschen in diesen Fragen nicht mehr getrennt gehen wollen. Ein solches Engagement wird den Wunsch nach dem gemeinsamen Abendmahl als Sakrament der Einheit noch stärken. - Die Kirchentagsbewegung ist ein wichtiger Bestandteil der Ökumene, bei dem die Laien wesentliche Entscheidungen treffen. Wir sollten uns fragen, wie wir den Beitrag der Laien zur Ökumene auch zwischen den Kirchentagen stärken können. Sie bewegen viel, wenn sie überzeugt sind: das konnte man beim ÖKT erleben! - Im Sinne der Charta Oecumenica, die beim Kirchentag durch die vielen Unterschriften der kirchlichen Würdenträger bestätigt wurde, sollten wir alle Möglichkeiten der ökumenischen Zusammenarbeit ausbauen, die sich uns anbieten. Dazu gehört die Gründung regionaler ACKs ebenso wie die Zusammenarbeit in der religiösen Erziehung, in der Erwachsenenbildung, in der diakonischen Arbeit usw. - Ebenso im Sinn der Charta Oecumenica wäre es, die europäische Dimension der ökumenischen Arbeit noch stärker auszubauen. Das gilt für die Kirchentagsbewegung ebenso wie für die Kirchen der ACK. Wir wachsen in Europa mehr und mehr zusammen, jedenfalls haben die Kirchen die Chance und Aufgabe, dazu das Ihre beizutragen. Diese Chance zu nutzen ist eine lohnende und herausfordernde Aufgabe, denn wir wissen nur zu gut, in welch unterschiedlichen Kulturen wir in Europa zusammenleben und dass es einer spirituellen und geistigen Bereitschaft, aufeinander zuzugehen bedarf, wenn wir diese kulturellen Unterschiede überbrücken wollen. - Daher würde ich einen weiteren ökumenischen Kirchentag von vornherein europäisch konzipieren. Ich glaube, wir können nicht einfach wiederholen, was wir in Berlin getan haben. Berlin könnte allerdings ein geeigneter Ort auch für einen europäischen ökumenischen Kirchentag sein. |
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